INFEKTIONSKRANKHEITEN

 

Unter dem Begriff Infektionskrankheiten versteht man Krankheiten, die durch Mikroorganismen wie Viren, Bakterien und Pilze verursacht werden. Sie sind in der Regel sehr ansteckend. Glücklicherweise gibt es heute gegen viele gefährliche Infektionskrankheiten Impfstoffe. Jeder verantwortungsbewusste Katzenhalter sollte deshalb seine Katze vorbeugend impfen lassen und auch die entsprechenden Nachimpfungstermine sorgfältig einhalten.
 


 

FELINE INFEKTIÖSE PERITONITIS (FIP)


FIP (Feline infektiöse Peritonitis) ist erst seit ca. 50 Jahren bekannt, da sie damals das erste Mal ausbrach und bedeutet "ansteckende Bauchfellentzündung". Es handelt sich hierbei um eine Viruserkrankung. FIP ist eine sehr rätselhafte und immer tödlich endende Krankheit. Man unterscheidet sie in zwei unterschiedliche Verlaufsformen.

Zum einen gibt es die "feuchte bzw. nasse Verlaufsform", zum anderen die "trockene Verlaufsform". Beide unterscheiden sich in ihrem Verlauf und ihren erkennbaren Merkmalen.

Als FIP das erste Mal beschrieben wurde, wurden Fressunlust, hohes Fieber, Vermehrung von Leukozyten und Ergüsse in Bauch- und Brusthöhle als Symptome beschrieben.

 
            Zahnfleischentzündungen können
auf eine Virusinfektion hindeuten.


Zu dem Virus:
Bei dem Virus handelt es sich um einen felinen Corona-Virus (FCoV).
In den 80er Jahren hieß es, dass es mindestens 2 Coronaviren-Typen gebe. Zum einen den sog. felinen enteralen Coronavirus (FeCV) und zum anderen das eigentliche FIP-Virus. Der damaligen Annahme zufolge waren die wichtigsten Unterschiede, dass FeCV lediglich vorübergehende Durchfälle und Schnupfensymptome verursache, da das Virus nur auf die Darmepithelien und oberen Atemwege beschränkt sei, und FIP hingegen fähig sei, diese Darmbarriere zu durchbrechen und eine allgemeine Infektion verursachen könne. Nun - etwa 20 Jahre später - ist diese einfache Einteilung so nicht mehr gegeben und man muss die Infektionen differenzierter betrachten, denn: Aus jeder enteralen Infektion kann eine Systeminfektion sowie unter ungünstigen Bedingungen eine FIP entstehen. Aus diesem Grund wird in diesem Artikel auf beide Typen gesondert eingegangen.

a) FeCV:

Der feline enterale Coronavirus ist in der Außenwelt relativ wenig widerstansfähig, seine Infektiosität geht nach Austrocknung in weniger als 24 Stunden verloren. Typ 1 dieses Virus gibt es hauptsächlich in Europa und er lässt sich mit den meist tödlichen FIP-Fällen assoziieren. Seine wichtigste Eintrittspforte ist die Maulhöhle, von hier aus gelangt das Virus mit der Nahrung in den Dünndarm, wo es sich vermehrt. Im Regelfall bleibt die Infektion nicht auf den Darmtrakt beschränkt, sondern verursacht eine sog. Virämie (d. h. dass die Viren im Blut zirkulieren). Diese ist begleitet von unspezifischen Symptomen wie Fieber und Inappetenz. Dauer und Ausmaß der Virämie sind abhängig von der genetischen Abstammung sowie der Infektionsgefährdung (Anzahl der Erreger, etc.)

Symptome und Verlauf

Hauptsymptom ist Durchfall (mild bis mäßig schwer) für die Dauer von etwa 2-5 Tagen. Der Grad der Erkrankung ist abhängig vom Alter: 5 Wochen alte Tiere zeigen eher Symptome als 3 Monate alte Tiere, bei denen die Symptome unauffällig oder geringgradig verlaufen. Bei erwachsenen Tieren hingegen ist die erstmalige Infektion gewöhnlich ohne sichtbare Folgen. Neben Durchfall kann auch gelegentlich leichtes Fieber auftreten, was jedoch nach einigen Tagen spontan wieder verschwindet.

Diagnose

Es ist schier unmöglich aufgrund der wenigen sichtbaren Symptome auf eine Coronavirus-Infektion zu schließen. Die Diagnose wird mit dem Durchfallkot gestellt, eine Titerbestimmung ist hier ungeeignet.

Ansteckung

Bei Jungtieren erfolgt die Ansteckung durch den Kontakt mit der Mutter oder durch symptomlose Ausscheider. Mittlere und starke Ausscheider scheiden große Mengen des Virus mit ihrem Kot aus und machen sie damit zu einer potentiellen Ansteckungsquelle.

Differentialdiagnose

Bei Durchfallerkrankungen von Jungkatzen sollte auch an Parasiten, Bakterien oder Parvoviren gedacht werden.

Impfung

Ob die mittlerweile erhältliche FIP-Impfung auch hier wirkt ist bisher noch unklar.

Therapie

Keine.

b) FIP-Virus:
Der FIP-Virus ist den wenig virulenten felinen Coronaviren nahe verwandt. FIP wird von dem Virus verursacht, das aus dem (sich in der Katze bereits befindlichem) FeCV durch Mutation hervorgeht. Coronaviren sind sehr empfänglich für Mutationen; die letale Mutation für die betreffende Katze geschieht besonders dann, wenn die Virenzahl im Blut besonders hoch ist, wie das bei starken Ausscheidern der Fall ist. Der Unterschied hierbei besteht in der Virulenz der beiden. Da die Virenzahl besonders bei Jungkatzen sehr hoch ist, erklärt sich auch wieso zum Großteil junge Tiere besonders häufig Opfer der FIP sind.

In der Regel wird FIP nicht von Katze zu Katze übertragen, sondern entstehen in der Katze selbst, jedoch dauert es einige Zeit bis aus einem Coronavirus ein FIP-Virus wird. Hat sich der FIP-Virus jedoch entwickelt, kann er auf empfängliche Katzen übertragen werden, wo es dann eine FIP verursachen kann.

Bei der Krankheitsentstehung spielt das Immunsystem eine sehr große Rolle: FIP tritt besonders dann auf, wenn z.B. gleichzeitig eine FeLV-Infektion vorliegt. Da diese zur Hemmung des zellulären Immunsystems führt, ist der Weg für eine FIP-Infektion praktisch freigemacht. Insofern handelt es sich bei FIP um eine immunbedingte Krankheit. Die Krankheitsentstehung kann man sich so vorstellen: Ein neugeborenes Kätzchen hat bis zur 3.-5. Woche durch Antikörper der Mutter einen Schutz vor Infektionen. Durch Virusausscheidung der Mutter oder Kontakt mit anderen, infizierten Katzen eines Bestandes erfolgt eine Infektion. Diese führt kaum zu Symptomen, es kann höchstens zu vorübergehenden Durchfallsymptomen und Schnupfen kommen. Ab der 6. Lebenswoche erfolgt eine erfolgreiche Immunantwort: Das Immunsystem ist in der Lage die Virusvermehrung unter Kontrolle zu halten und die Zahl der Viren im Blut nimmt mit dem Älter werden stetig ab. Für etwa 90-95 % der Katzen ist eine Coronavirus-Infektion somit erledigt. Nur bei einem kleinen Teil kommt es jedoch bis zum Alter von etwa 12 Wochen zur Bildung einer FIP. Wieso das so ist, ist bis heute nicht geklärt. Studien belegen lediglich, dass 50 % dieser erkrankten Tiere Stresssituationen ausgesetzt waren ehe sie erkrankten (z.B. durch Besitzerwechsel, Tierheimaufenthalt, Tierarzt, Umzug, etc.). Die Folge ist eine Unterdrückung des Immunsystems, die Zahl der Viren im Blut ist erhöht, es erfolgt eine Mutation zum FIP-Virus. Diese Immunsystemschwäche wird z.B. auch durch eine FeLV-Infektion ausgelöst. Aufgrund Gefäßschädigungen kommt es zum Übertritt proteinreicher Flüssigkeitsmengen in den Bauchraum oder die Brusthöhle, was wir dann bei einer feuchten FIP beobachten können.

Inkubationszeit:

Die Inkubationszeit ist sehr unterschiedlich. Manche Katzen erkranken nie daran, obwohl sie den mutierten Virus in sich tragen. Erst wenn Symptome sichtbar werden, kann man vom Ausbruch der Krankheit sprechen. Die Inkubationszeit kann also wenige Tage bis mehrere Jahre bis nie betragen. Das Zusammenspiel vieler Faktoren kann eine Erkrankung begünstigen. Stress ist der häufigste Auslöser einer FIP-Erkrankung (vor allem in großen Zucht- oder Gruppenverbänden (auch Tierheim), bei Ausstellungen oder stressigem Besitzer- oder Wohnungswechsel).

Symptome und Verlauf
Wie schon erwähnt, unterscheidet man zwischen einer FCoV-und einer FIP-Infektion. Erstere führt, wie gesagt, lediglich zu leichtem Durchfall, evtl. Schnupfensymptomen und einer vorübergehenden Inappetenz. FIP hat einen über Wochen erstreckenden Verlauf. Die Frühsymptome sind Inappetenz und Fieber unbekannter Ursache. Wohingegen früher noch bei etwa 70 % der erkrankten Katzen die feuchte Verlaufsform diagnostiziert wurde, so liegt sie heute nur noch bei ca. 40 % der erkrankten Katzen. Vermutlich liegt diese grobe Veränderung an der Verbesserung der Diagnostik und auch am mittlerweile umfassenderem Wissen über die FIP.

Die wichtigsten Symptome beider Verlaufsformen sind (nach Häufigkeit): Fieber, Apathie, Abmagerung, Dehydration, Anämie, vergrößerter Bauchbereich (etwa 36 %), Gelbsucht und gelegentlich Ablagerungen in der vorderen Augenkammer. Besonders die letzte Tatsache erleichtert dem Tierarzt die Diagnose. Zwar ist das Immunsystem in der Lage die Vermehrungsrate der Viren zu kontrollieren, jedoch kann es die Vermehrung nicht komplett abstellen. Bei der feuchten Form sind große Mengen fadenziehender, zähflüssiger und gelblicher Flüssigkeit in der Bauch- und/oder Brusthöhle und/oder dem Herzbeutel findbar.

Diagnose
Gewisse Parameter des Blutbildes erwiesen sich bei der Diagnosestellung als sehr wichtig, weswegen der behandelnde Tierarzt auch ein großes Blutbild anstreben wird. Die Antikörper-Bestimmung hat ebenfalls eine gewisse Bedeutung: Bei der Mehrzahl der an FIP gestorbenen Katzen erfolgte wenige Wochen vor dem Tod ein grober Anstieg des Antikörper-Titers. Die Bestimmung nur des FCoV-Titers ist hierbei unnötig sowie völlig irrelevant. Denn abhängig von der Haltung durch den Besitzer können auch gesunde Katzen einen hohen Titer entwickeln, was keinen Rückschluss auf das Risiko erlaubt, das die betreffende Katze auch FIP entwickelt (s. u.)!

Ansteckung
FIP ist eine typische Erkrankung von Tieren, die in einem größeren Verband gehalten werden. Mehr als 50 % der Katzen erkranken im Alter von bis zu 1 Jahr. Mehr als 70 % bis 4 Jahren, wovon 65 % männliche und 35 % weibliche Tiere sind und nicht kastrierte Tiere weitaus häufiger betroffen sind. Bemerkenswert ist, dass Rassekatzen häufig von FIP betroffen sind, insbesondere Perserkatzen, vermutlich durch Inzucht hervorgerufen, was sowohl das Immunsystem wie auch andere Organsysteme beeinträchtigt. Bei einer versteckten und nicht sichtbaren FeLV-Infektion kann es bei Kontakt mit Coronaviren zu einer "richtigen" FeLV-Infektion kommen mit gleichzeitiger FIP-Infektion.

Differentialdiagnose
Bei Flüssigkeitsansammlungen sollte nicht sofort an eine FIP gedacht werden. Sie können auch Folge einer Herzmuskelerkrankung oder eines Tumors sein. Ergüsse der Bauchhöhle werden bei Eiweißmangel, Lebererkrankungen, Herzerkrankungen, bakteriell bedingten Bauchfellentzündungen sowie Tumoren beobachtet. Bei der trockenen Form hingegen muss vor allem die Leukose in Betracht gezogen werden, ebenfalls wie Tumore.

Impfung
Falls die Katze nicht schon komplett körperlich verseucht ist, vermag ein Impfstoff zu schützen obwohl er noch immer umstritten ist. Die Impfung erfolgt nasal in der 16. und erneut in der 20. Lebenswoche. Der Hinweis, dass in diesem Alter schon ein großer Teil der Katzen mit FCoV infiziert ist, ist hierbei wichtig.

Vermeidung
Stress ist der Hauptauslöser der FIP, weswegen ein stressfreies Leben für die Katze auch enorm wichtig ist! Viele Tiere brauchen viel Platz! Genügend Katzentoiletten sowie die tägliche Kotentfernung dürften dabei eine ebenso große Rolle spielen wie die Vermeidung von Stress, da sich durch die Entfernung der mit FCoV belastenden Kothäufchen eine Übertragung durch die Luft vermindern lässt. Auch starke Virusausscheider sollten aus einer Gruppe raus und als Einzeltiere gehalten werden. Oftmals können diese Tiere nach einer gewissen Zeit zu ihrer Gruppe zurück, da sich die Virenzahl im Blut vermindert. Stirbt eine Katze mit FIP in einem Haushalt ist die sorgfältige Reinigung oberstes Gebot ehe eine neue Katze einzieht bzw. wenn mehrere Katzen im Haushalt leben. Boden, Teppiche, Lieblingsliegestellen, Spielzeuge, etc. sollten mit guten Desinfektionsmitteln gereinigt werden. Einzug einer neuen Katze erst nach einigen Wochen. Für den Mehrkatzenhaushalt gibt es eine beruhigende Nachricht: FIP ist meist ein Einzelfall, weswegen die anderen dort lebenden Katzen als immun betrachtet werden dürften. Dennoch sollte auch hier eine ordentliche Reinigung entstehen. Der Tierarzt wird dem betroffenen Tierbesitzer dabei helfen und mit vielen Tipps unterstützen, wie er sein Zuhause für ein neues Kätzchen wieder in Ordnung bringen kann.

Folgen der FIP:

Durch die geschwächte Immunabwehr, brechen sehr leicht bakterielle Zusatzerkrankungen aus. Auf Grund der Schmerzen sinkt der Lebensmut einer betroffenen Katze fast stündlich. Das Ende dieser Krankheit ist fast immer tödlich, da sie nicht heilbar ist. Man kann sie für den Patienten nur "erträglicher" gestalten und ggf. den gesunkenen Lebensmut zurückholen, mehr jedoch nicht. Man sollte seiner Katze, wenn die Krankheit schon in einem so weiten Stadium ist, dass es nur noch Qual und künstliche Lebenserhaltung ist, den am Ende sehr qualvollen und schmerzhaften Tod ersparen und sie einschläfern lassen, wenn sich ihr Zustand zunehmend verschlechtert und keine Aussicht auf Erfolg mehr gegeben ist. Was für uns Besitzer meist schwer ist, ist eine Erlösung für die Katze. Das sollte unser letzter Dank an sie sein und unser letzter Liebes- und/oder Freundschaftsbeweis: ein schmerzfreier und schneller Tod.

Therapie
Es gibt für FIP keine Heilung. Ist eine tiergerechte Lebenserhaltung nicht mehr möglich, ist eine baldige Euthanasie des Tieres in Betracht zu ziehen. Das einzige, was der Tierarzt für eine infizierte und erkrankte Katze tun kann, ist ihre Schmerzen und Beschwerden zu lindern. Es muss eine Unterdrückung des Immunsystems stattfinden, um weitere Verbindungen zwischen Virus und Antikörpern zu verhindern. Dafür wird meist Kortison verabreicht, was die Symptome in manchen Fällen auflösen kann, was auch der Seele der Katze gut tut. Bei der feuchten Verlaufsform hat der Tierarzt sogar die Möglichkeit die Flüssigkeit in der Bauchhöhle abzusaugen. Allerdings ist das nur eine vorübergehende Hilfe, da sich schon nach kurzer Zeit erneut Flüssigkeit im Bauch ansammelt. Diese Prozedur ist also nur zusätzlicher Stress für die kranke Katze, der unter allen Umständen jedoch vermieden werden sollte!

Am Halter liegt es jetzt, die Freude seines Tieres zu erhalten, intensiv und liebevoll zu pflegen. Die Katze braucht Hilfe bei der Körperpflege, beim Fressen und Trinken. Es sollte an ihrem Aufenthaltsort nicht stressig sein, um eine Verschlimmerung der Krankheit zu verhindern. Meist wird die Nahrung umgestellt (z.B. vom Tierarzt verschriebenes Diätfutter). Also sollten gute Pflege, eine ausgewogene Ernährung, kein Stress und vor allem viel Liebe die "Medikamente" des Halters sein.

FIP-Titer:
Bei Verdacht auf eine FIP wird eine Blutuntersuchung gemacht und ein sog. "FIP-Titer" erstellt. Dieser gibt das Verhältnis der Antikörper im Blut an. Je höher der Titer, umso wahrscheinlicher ist eine Infektion oder eine Erkrankung. Der normale FIP-Titer liegt zwischen 1:1 und 1:25 (noch im Toleranzbereich). Der Titer sagt nicht aus, dass die Katze krank ist oder nicht (s. o.). Auch sagt er nicht aus, ob die Katze jemals daran erkranken wird. Ein Titer von 1:1000 liegt zwar im sehr hohen Bereich und erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Infektion (oder Erkrankung), aber er gibt niemals eine 100 %ige Aussage oder Garantie, dass das Tier erkrankt ist oder in der Zukunft daran erkranken wird. Leider werden noch immer zu viele Katzen auf Grund eines Verdachtes eingeschläfert. Ist die Krankheit jedoch nicht quälend für die Katze oder überhaupt am Tier erkennbar ist eine Einschläferung unnötig. Wie gesagt, die Katze kann ein Leben lang ohne Krankheitsausbruch leben und auch dann, wenn die Krankheit schon ausgebrochen ist und weder schmerzhaft noch quälend für das Tier ist. Viele kranke Tiere können noch Jahre lang ein sehr gutes und schönes Leben haben! Daher bitte nicht einfach bloß auf Verdacht einschläfern lassen.

Der Titer ist keine Garantie für eine Erkrankung!

Für den Menschen stellt FIP keine Bedrohung dar!

Quellen: ISBN: 3830410492 Krankheiten der Katze; M. Horzinek

 
      FIP - sehr interessanter Artikel
von Dr. med. vet. Kamil Tomsa



 

LEUKOSE – EINE GEFÄHRLICHE VIRUSINFEKTION


Leukosen gehören bei Katzen zu den häufigsten Tumoren.

Bei einer Leukose handelt es sich zunächst ganz allgemein um einen malignen Tumor von Blutzellen. Dabei ist weder eine Aussage zur Ursache gemacht, noch über eine erhöhte Anzahl von Zellen im Blut. Viele Leukoseformen verlaufen nämlich aleukämisch, d. h. ohne eine nachweisbare Vermehrung der Zellen im Blut. Eine Bestimmung der Zellzahl sowie die Erstellung des Differentialblutbildes sind daher oft nicht aussagekräftig.

Die bei weitem häufigste Ursache für leukotische Tumore bei Katzen ist die Infektion mit dem feline Leukämievirus (FeLV). Wie bei allen Spezies gibt es aber auch bei der Katze Leukoseformen, bei denen eine Ursache nicht zu ermitteln ist.

Die FeLV-Infektion:
Beim felinen Leukämievirus handelt es sich um ein Retrovirus. Die Retroviren wurden nach einem Enzym benannt, der reversen Transkriptase, die einen Einbau des Virusgenoms in die DNS der infizierte Zelle ermöglicht.

Die Übertragung der Infektion kann durch alle Körperexkrete und -sekrete erfolgen. Am häufigsten ist die Infektion durch direkten Kontakt mit dem Speichel infizierter Tiere aber auch indirekt zum Beispiel bei Benutzung derselben Futternäpfe.

Die Empfänglichkeit für das Virus ist bei jungen Katzen unter 16 Wochen hoch und nimmt dann immer mehr ab. Ältere Tiere werden dann kaum noch infiziert, es sei denn der Infektionsdruck ist sehr groß.

Bei den klinischen Symptomen muss zwischen primären und sekundären Veränderungen unterschieden werden. Primär kommt es zu Veränderungen in Organsystemen, in denen sich das Virus gut vermehrt. Dies äußert sich besonders in Knochenmarksdepressionen und Tumoren des lymphatischen und myeloischen Systems. Bei jungen Katzen treten Fibrosarkome auf, welche durch das feline Sarkomvirus (FeSV), einer Mutante des FeLV, induziert werden. Diese Fibrosarkome wachsen entweder progressiv und letal oder aber bilden sich vollständig nach 2-6 Wochen zurück. Auch neurologische Symptome und Fertilitätsstörungen kommen vor. Im Rahmen einer Immunsuppression kann es später zu einer Vielzahl von Krankheitserscheinungen mit sekundären Infektionen kommen.

Die Diagnose wird meistens mittels eines kommerziell erhältlichen ELISA´s (Enzyme linked immuno sorbent assay) gestellt. Dieser Test weist virales Antigen nach, also direkt ein Virusprotein und nicht nur Antikörper gegen das Virus. Die Sensitivität und Spezifität sind gut, so dass der Test als relativ zuverlässig anzusehen ist. Aus biometrischen Gründen muss jedoch bei einer niedrigen Prävalenz für die FeLV-Infektion auch mit falsch positiven Testergebnissen gerechnet werden. Positive Ergebnisse sollten daher nachgetestet werden. Ein weiterer Grund für das Nachtesten ist, dass die Tiere die Infektion überwinden und wieder negativ werden können. Ein negatives Testergebnis ist als sicher anzusehen, sagt allerdings nur aus, dass sich das Tier zum Zeitpunkt der Untersuchung nicht in der Phase der Virämie befand.

Es kann im wesentlichen 3 Verlaufsformen bei einer FeLV-Infektion geben. Es wird angenommen, dass in Mitteleuropa zwischen 50-80 % der Katzenpopulation in Kontakt mit dem FeLV kommt, von denen sich etwa 70 % infizieren. Bei den meisten Tieren mit intaktem Immunsystem kommt es zu einer kurzen virämische Phase, die nach wenigen Tagen beendet ist. Außerdem treten transitorische Virämien auf, die bis zu einigen Monaten andauern können. Tiere mit kurzer oder transitorischer Virämie sind in der Regel stabil immun für den Rest ihres Lebens und nicht mehr in der Lage Virus zu produzieren. Wahrscheinlich wird dies durch Änderungen am Virusgenom im Rahmen der Immunabwehr bewirkt. Eine weitere Möglichkeit ist eine latente Infektion, bei der es immer wieder zu virämischen Phasen bei außergewöhnlicher Belastung, wie zum Beispiel in der Laktation, kommt. Schließlich gibt es die persistierende Virämie mit der Folge FeLV-bedingter Krankheitserscheinungen, die bei 10-30 % aller Tiere auftritt. Zu welcher der Verlaufsformen es kommt hängt neben der individuellen Empfänglichkeit und dem Immunstatus auch von der Pathogenität des Virusstammes ab.

Eine Impfung gegen die FeLV-Infektion ist wegen der hohen Empfänglichkeit besonders bei jungen Katzen sinnvoll. Bei älteren Katzen könnte je nach Haltungsform und Exposition von einer Impfung abgesehen werden. Bei dieser Entscheidung spielt sicherlich die Besitzermentalität eine wesentliche Rolle. Es gibt verschiedene Impfstoffe, die mit Erfolg eingesetzt werden. Lebendvakzine sind nicht zu empfehlen, da ein Einbau ins Wirtszellgenom mit der Gefahr der späteren Tumorentwicklung erfolgt. Es haben sich inaktivierte Viren und auch neuerdings rekombinante Proteine des Virus bewährt. Ob vor einer Impfung eine bestehende FeLV-Infektion durch einen Test ausgeschlossen werden sollte, ist nicht pauschal zu beantworten. Hier spielen so verschiedene Aspekte, wie zum Beispiel Herkunft und weiterer Verbleib der Katze oder des ganzen Wurfes, FeLV-Status eines Bestandes, finanzielle Aspekte und auch Einstellung des Besitzers und des Tierarztes eine Rolle.

Leukoseformen bei Katzen:
Am häufigsten kommt bei Katzen das Lymphosarkom oder besser das maligne Lymphom vor. Bei diesen Tumoren können dann noch verschiedene Differenzierungsgrade unterschieden werden. Nur etwa ein Drittel der malignen Lymphome verlaufen leukämisch, also mit erhöhter Leukozytenzahl im Blut. Es kann sogar im Rahmen einer Knochenmarksdepression zu einer Leukopenie und Anämie kommen, beides häufige Symptome bei einer FeLV-Infektion. Beim sogenannten Mediastinallymphknotensarkom junger Katzen sind über 80 % der Tiere FeLV-positiv. Bei der alimentären Form sind neben den Mesenteriallymphknoten auch die lymphatischen Einrichtungen des Magen-Darm-Kanals betroffen. Auch ältere Tiere bis zu 8 Jahre können erkranken, wobei der Anteil der FeLV-positiven Tiere unter 30 % liegt. Sind mehr als zwei Lymphknoten vergrößert (4-10fach) spricht man von der multizentrischen Form, bei der die meisten Tiere einen positiven FeLV-Test zeigen.

Von den malignen Lymphomen wird die lymphatische Leukämie abgegrenzt, die eine maligne Proliferation von Knochenmarkszellen bedeutet und die fast immer im peripheren Blut nachweisbar ist. Diese Form ist ebenfalls meistens FeLV-induziert.

Relativ selten sind Tumore des Thymusgewebes. Gemäß dem Aufbau als lympho-epitheliales Organ, kann sowohl die epitheliale als auch die lymphatische Komponente entarten. Obwohl nur in der Jugend voll ausgebildet, treten benigne Thymome vorwiegend bei älteren Tieren auf. Im Gegensatz zum Thymom ist das maligne Thymuslymphom FeLV-bedingt und tritt bei Katzen unter 2 Jahren auf. Wegen seiner Lage ist ein Thymom nur mikroskopisch vom Mediastinallymphknotensarkom zu unterscheiden. Auch Tumore enddifferenzierter B-Lymphozyten, also der Plasmazellen, sind selten. Sind nur einzelne Organe betroffen spricht man vom Plasmozytom. Es sei erwähnt, dass natürlich alle Zellinien des hämatopoetischen Systems tumorös entarten können; die hier nicht aufgeführten Formen treten jedoch äußerst selten auf. Mastzelltumore sollen noch erwähnt werden, wobei kutane und viszerale Formen zu unterscheiden sind. Mastzellen sind bei Katzen in großer Zahl besonders in Haut und Darm vorhanden, Tumore sind selten. Im Unterschied zum Hund sind solitäre, chirurgisch gut zugängliche Mastzelltumore meist gutartig.

Topographische Verteilung von Lymphomen bei über 500 Katzen:
- multizentrische, lymphatische Form > 30 %
- alimentäre Form < 30 %
- mediastinale Form > 20 %
- nierenassozierte Lymphome 6 %
- Lymphome einzelner Lymphknoten 6 %
- sonstige Formen ca. 8 %

Prognose und Therapie:
Die Diagnose eines Tumors des hämatopoetischen Systems ist natürlich keine gute Nachricht. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle ist mit einer vorsichtigen Prognose zu rechnen. Es gibt aber teilweise erhebliche Unterschiede im Grad der Malignität, und längst nicht jeder Tumor ist als hochmaligne mit aussichtsloser Prognose einzuschätzen. Je lokaler die Veränderung auftritt, um so günstiger ist dies für den Verlauf zu bewerten. Solide, eventuell operable Veränderungen könne sogar ohne Chemotherapie behandelt werden. Als besonders ungünstig sind die akuten Tumoren von Knochenmarkszellen zu bewerten. Bei einer akuten lymphoblastischen Leukämie mit Leukozytosen von über 100.000/µl sind Therapieversuche meist nicht erfolgreich.

Als Gegenbeispiel kann z.B. die alimentäre Leukose gelten. Es gibt Studien, nach denen etwa 1/3 der Tiere nach Chemotherapie eine vollständige Remission erreichten.

Als Therapie werden in der Regel Kombinationen von Zytostatika, Mitosehemmern und Corticosteroiden empfohlen, wobei ständige Kontrollen des Blutbildes erforderlich sind. Die Dosierung ist individuell einzustellen, zumal lebenslängliche Therapien nötig sein können.

Eine ätiologische Therapie der FeLV-Infektion ist unter Praxisbedingungen nicht bekannt. Mittels verschiedener experimenteller Ansätze war es möglich eine Virämie zu verhindern oder zu unterbrechen. Zum Beispiel gelang es mit dem aus der AIDS-Therapie bei Menschen bekannten Azidothymidins eine Virämie bei Katzen kurz nach der FeLV-Infektion zu verhindern.

Quelle: www.laboklin.de
 


 

KATZENSEUCHE (PANLEUKOPENIE)

 

Die Katzenseuche, auch bekannt als Panleukopenie oder Feline Parvovirose (bennant nach dem felinen Parvovirus (FPV), dem Erreger der Panleukopenie) gehört zu den Infektionskrankheiten und wird durch einen Virus verursacht. Panleukopenie bedeutet soviel wie Verminderung der weißen Blutkörperchen (Leukozyten), was zu den Symptomen dieser schweren Krankheit gehört.

Zu dem Virus:
Der Virus ist, wie gesagt, ein Parvovirus und sehr widerstandsfähig. Bei Zimmertemperaturen überlebt er bis zu einem Jahr. Er ist natürlichen Umwelteinflüssen sowie Chemikalien gegenüber sehr resistent und überlebt auch Einfrierung oder Austrocknung. Wir können den Erreger auch an unserer Kleidung oder den Schuhen haben und ihn somit auch für Wohnungskatzen zu einer Gefahr machen. Übertragen wird er von Katze zu Katze (direkter Kontakt), aber auch durch Gegenstände wie z.B. Transportboxen und Futterschüsseln (indirekter Kontakt). Der Virus wird über alle Körperflüssigkeiten und Kot ausgeschieden. Hohe Ansteckungsgefahr!

Krankheitsentstehung:
Die Haupteintrittspforte des felinen Parvovirus ist die Nasen-und Mundschleimhaut. Schon ein Tag nach der Replikation dort zirkulieren die Viren im Blut. Danach wird das Virus insbesondere im Knochenmark, den Darmepithelzellen und im lympathischen Gewebe repliziert. Dadurch werden die betroffenen Zellen geschädigt und ein ausgeprägter Leukozytenmangel erolgt etwa gleichzeitig mit den Symptomen. Etwa 3-5 Tage nach der Infektion zeigen sich erste Symptome. Symptomdauer etwa 8 Tage (falls das Kätzchen überlebt). Eine Infektion findet hauptsächlich bei Tieren zwischen 6 Wochen und 4 Monaten statt. Bei Ansteckung im Mutterleib folgen gelegentich Abort und Geburt geschädigter Welpen. Infizieren sich ältere Tiere mit dem Parvovirus, zeigen sie höchstens leichtgradige Symptome; auch dann, wenn sie nicht gegen Parvovirose geimpft wurden. Eine Ausnahme erfolgt höchstens infolge einer z.B. vorbestehender FeLV-Infektion. Kommt nun eine Parvovirose-Infektion hinzu, erkrankt das Tier sehr schwer und akut. Außerdem kann eine Infektion mit dem Parvovirus das Immunsystem so beeinträchtigen, dass unter Umständen andere Infektionen begünstigt werden. Die Tiere erkranken so an der nächsten Infektion und sterben.

Inkubationszeit:
Die Inkuabtionszeit (Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit) dauert etwa 2-10 Tage.

Symptome:
Grob: Unter anderem anfänglich Müdigkeit, Appetitlosigkeit, hohes Fieber (bis 41°C), Erbrechen, wässrige und später blutige Durchfälle (Schädigung des Dünndarms), Flüssigkeitsverlust (durch Erbrechen und Durchfall) und somit Austrocknung, Schockgefahr durch zu hohe Beanspruchung von Herz-Kreislauf und Nieren, Immunschwäche (durch Verminderung der Leukozyten).

Es gibt drei Verlaufsformen der Parvovirose. Beim sog. perakuten Verlauf tritt der Tod innerhalb weniger Stunden ein, Erbrechen und Durchfall bleiben dabei meist aus. Oftmals hat sich die Katze kurze Zeit zuvor noch völlig normal und unauffällig verhalten.

Beim akuten Verlauf äußert sich zunächst Apathie, die Tiere liegen mit eingeknickten Vorderpfoten lange Zeit auf einer Stelle ohne sich zu bewegen, hinzu kommen Durchfall, häufiges Erbrechen, Schmerzen im Bauchbereich, Verweigerung von Nahrung und Flüssigkeit, das Fell ist matt und stumpf, Nickhautvorfall. 1 - 2 Tage später wässriger bis blutiger Durchfall. Der dabei entstehende Flüssigkeitsverlust kann innerhalb kürzester Zeit zu Schock und Tod führen.

Der subakute Verlauf zeigt sich durch nur mäßige Apathie und geringgradigen Durchfall über mehrere Tage. Aus diesem krankheitsbedingten Durchfall kann chronischer Durchfall werden, der kaum bis gar nicht mehr behandelbar ist.

Pathologie:
An Parvorivrose erkankte Katzen erscheinen ausgetrocknet und abgemagert. In der Obduktion sind Spuren von Durchfall und Erbrechen nachweisbar sowie Entzündungen am Kehlkopf und Geschwüre in der Speiseröhre. Auf der Magenschleimhaut sind Blut und Gallsensaft nachweisbar, insbesondere der Dünndarm ist stark verändert, der Darminhalt ist gelblich bis grau, wässrig und stinkend.

Folgen:
Durch die grobe Verminderung der Leukozyten besteht Abwehrschwäche und daher kein Schutz vor bakteriellen Erkrankungen, die lebensbedrohlich sind. Findet keine Behandlung statt, stirbt die betroffene Katze durch Kreislaufversagen auf Grund von Austrocknung oder bakteriellen Zusatzinfektionen. Bei trächtigen Katzen kommt es zu Aborten, Behinderungen (Schädigung des Kleinhirns) oder Totgeburten. Die Überlebenschance ist gering, aber dennoch gegeben. Da der Tod dieser Erkrankung sehr grausam und leidvoll ist, sollte man, wenn man keine Aussicht auf Erfolg mehr sieht, der Katze den Gefallen tun und ihr Leid ersparen, indem man sie einschläfern lässt. So schwer das für den Besitzer auch ist, aber es ist eine Erlösung für die Katze und wer seine Katze liebt, der erspart ihr unnötige Leiden!

Differentialdiagnose:
Es wäre einfach, wenn die o. g. Symptome zu 100 % auf die Katzenseuche zurückzuführen sind. Das sind sie jedoch leider nicht, da sie sehr unspezifisch sind. Den Leukozytenmangel beispielsweise finden wir in erster Linie bei einer FeLV-Infektion, wobei gleichzeitige Infektion mit FeLV und FPV bekannt sind.

Starken Durchfall wiederum finden wir auch bei einer Infektion mit Felinen Cornonaviren, wobei jedoch hier die Leukozyten kaum vermindert sind, weswegen das weiße Blutbild hier schnell Abhilfe schaffen kann.

Auch die Toxoplasmose zeigt ähnliche Symptome. Zwar sind in der Frühphase Anorexie, Apathie, Fieber, Erbrechen und Durchfall selten, jedoch haben wir auch hier einen massiven Leukozytenmangel zeitgleich mit den sicht- und merkbaren Symptomen. Die Symptome der Lungenentzündung, die man bei Toxoplasmose oft hat, treten jedoch bei der Parvovirose nur bei gleichzeitiger Infektion mit Erregern des Katzenschnupfens auf. Außerdem besteht Verwechslungsgefahr mit einer bakteriell bedingten Gastroenteritis. Auch Fremdkörper können können zu ähnlichen Symptomen führen, die auch bei der Parvovirose auftreten. Daher ist eine ordentliche Untersuchung erforderlich, schon allein aufgrund des Ausschlussverfahrens.

Behandlung:
Nicht nur die medikamentöse Behandlung des Tierarztes ist wichtig, sondern auch die liebevolle Pflege des Katzenfreundes. Die Pflege einer an Panleukopenie erkrankten Katzen muss sehr intensiv und sorgfältig von Statten gehen. Die betroffene Katze ist meist nicht mehr in der Lage, rechtzeitig auf die Katzentoilette zu finden, da sie so enorm geschwächt ist, dass sie einfach dort unter sich lässt, wo sie gerade ist (sehr starker Durchfall). Eine Katze, die durch Kot oder Urin verschmutzt ist, sollte sofort gebadet werden. Wir alle wissen, wie sehr unsere sauberen und gründlichen Tiere darunter leiden, wenn sie in ihren eigenen Exkrementen liegen müssen. Auch wissen wir, dass Katzen sich sehr schnell aufgeben; wenn sie sich ungeliebt oder alleingelassen fühlen. Die Seele unseres Familiemitgliedes muss also ebenfalls gehegt und gepflegt werden, um Selbstaufgabe und den daraus resultierenden Tod zu verhindern. Neben intensiver Pflege, Streicheleinheiten und Säuberung des eventuell verschmutzten Haarkleides, ist auch die Flüssigkeitszufuhr von enormer Bedeutung. Es muss in regelmäßigen Abständen der Katze Wasser zugeführt werden, um sie vor der Austrocknung zu bewahren. Der Tierarzt wird durch eine besondere Flüssigkeitstherapie der Katze zu helfen versuchen. Mittlerweile stehen die Chancen einer Erholung mithilfe einer ordentlichen Flüssigkeitstherapie sehr gut!

Für den Tierarzt steht die Lebenserhaltung (soweit vertretbar) an allererster Stelle, daher erfolgt seine Behandlung durch Zufuhr von Flüssigkeit, Schmerzmittel, Krampflösende Medikamente, Medikamente gegen Erbrechen und Durchfall, Immunabwehrstärkende Mittel und Antibiotika (gegen bakterielle Zusatzinfektionen). Leider kann aber auch der Tierarzt den Virus nicht abtöten. Das Immunsystem der Katze hat also die Aufgabe, den Erreger zu selbst bekämpfen und zu vernichten. Der Tierarzt kann die Katze, beim Kampf im inneren des Körpers, lediglich unterstützen, was die Erfolgschancen erhöht.

Vorbeugung:
Um der Katze Leid und Schmerzen dieser Krankheit zu ersparen, sollte man sie regelmäßig (auch als Wohnungskatze) gegen Katzenseuche impfen lassen. Die erste Impfung erfolgt mit der 8. oder 9. Lebenswoche (wenn Mutter geimpft; ansonsten früher) und wird nach 3 Wochen wiederholt. Damit ist die Grundimmunsierung abgeschlossen. Von nun an wird die Impfung jährlich (oder auch alle 2 Jahre, je nach Impfstoff) wiederholt. Lebt die Katze in einer ungünstigen und damit gefährdenden Umgebung (z.B. Heim oder andere größere Katzenverbände) wird nochmals in der 16.Lebenswoche geimpft. Meist handelt es sich um einen Kombinationspräparat gegen den Parvovirus, Calici- und Herpesvirus.

Die Katzenseuche kann nicht auf Menschen übertragen werden!

Quellen: ISBN: 3830410492 Krankheiten der Katze; M.Horzinek
 


 

KATZENSCHNUPFEN (FELINE RHINOTRACHEITIS)


An der Ätiologie des Katzenschnupfens (Feline Rhinotracheitis, Infektiöse Katzenrhinitis, Feline upper respiratory disease, Cat flu) sind verschiedene virale und bakterielle Erreger beteiligt. Der wichtigste virale Erreger ist das Feline Calicivirus (FCV). In 5-10 Prozent der Fälle kann auch das Feline Herpesvirus (FHV) isoliert werden (Lutz 2006, Truyen 2006). Während das FCV eine systemische Infektion hervorruft, bleibt eine FHV-Infektion lokal begrenzt (Truyen 2006). Als primär pathogen wird außerdem Bordetella bronchiseptica angesehen, ein gramnegatives, kokkoides Stäbchen, das sich bei der Katze ausschließlich im Respirationstrakt manifestiert (Weiss 2006, Vetstream 2002).

Während alle Erreger alleine nur selten klinische Symptome hervorrufen, gehen Mischinfektionen recht häufig mit einer Erkrankung der oberen Atemwege einher. In jedem Fall spielen stets bakterielle Sekundärinfektionen eine Rolle bei der Entstehung der klinischen Symptome (Truyen 2006). Im Zusammenhang mit Infektionen der oberen Atemwege sind vor allem Pasteurella spp., Staphylococcus spp., Escherichia coli, Streptococcus spp., Pseudomonas spp. und Klebsiella spp. von Bedeutung (Adler et al. 2007). Recht häufig wird auch Chlamydophila felis isoliert, ein Erreger, der  eine große Affinität zur Augenbindehaut besitzt und häufig chronische Entzündungen hervorruft (Vetstream 2002, Helps et al. 2005). Während es insbesondere bei ungeimpften Jungkatzen, die viel Kontakt zu anderen Katzen haben (Tierheim, Züchter, Tierpension), bei Infektionen der oberen Atemwege mit den primär pathogenen Erregern zu einer Entzündung der Nasenschleimhaut mit Nasenausfluss, Niesen, Atemnot, Husten, Entzündung von Luftröhre und Lidbindehäuten kommt, verlaufen solche Infektionen bei älteren und geimpften Tieren in der Regel symptomlos. Dennoch kann es zumindest bei ungeimpften Tieren zu einer persistierenden Infektion mit zeitweise massiver Erregerausscheidung kommen (Truyen 2006). Dadurch wird die Umwelt kontaminiert und das Virus innerhalb der Katzenpopulation weiter verbreitet.

Aus den USA wurde in der Vergangenheit über das Auftreten besonders virulenter Stämme des FCV berichtet. Diese rufen schwere Krankheitsbilder und Epidemien mit hoher Sterblichkeitsrate (bis 30 %) hervor. Die Symptome sind hier vor allem hohes Fieber, Gelenkentzündungen, Hautwunden an Ohren und Pfoten, Blutarmut und Bilirubin im Blut (Bilirubinämie) (Truyen 2006).

Kommt es im weiteren Verlauf zu einer bakteriellen Sekundärinfektion, kann es außerdem zu einer Beteiligung der Lunge (Bronchitis, Bronchopneumonie) mit Atemnot, Apathie und starkem Fieber kommen. Todesfälle sind möglich (Lutz 2006). Besonders gefährdet sind sehr junge sowie mit dem Felinen Leukosevirus (FeLV)  und der felinen infektiösen Peritonitis (FIP) infizierte Katzen.

Die Virusinfektion erfolgt in der Regel über direkten Kontakt von Tier zu Tier. Es ist jedoch auch eine indirekte Infektion über eine kontaminierte Umwelt möglich. Die Erreger dringen über den Nasen-Rachenraum ein, vermehren sich und besiedeln im weiteren Verlauf die oberen Atemwege (Lutz 2006, Weiss 2006).

Im Falle von FHV-1 kann es bei einer Beteiligung der Bindehäute auch zu Geschwüren in der Hornhaut kommen. Besonders empfänglich für eine Infektion sind Kätzchen unter 3 Monate und ältere Tiere in Stresssituationen. Während die klinischen Symptome nach ca. 14 Tagen abklingen, bleibt der Großteil der Tiere zumindest mit FHV-1 ein Leben lang infiziert. Dies geht mit einer schubweisen Virusausscheidung einher. Als Orte einer latenten Infektion wurden Nasenschleimhaut, weicher Gaumen, Tonsillen, Trigeminonganglion, der Sehnerv und die Hornhaut lokalisiert. Eine Reaktivierung ist durch Stress, Milieuveränderungen, Geburt, Laktation und systemische Glukokortikoidgaben möglich (Lutz 2006). Charakteristisch für eine Infektion mit FCV sind ulzerative Einschmelzungen am Zungenrand, die dann auf den harten Gaumen übergreifen (Helps et al. 2005, Lutz 2006). FCV kann außerdem zu Durchfall, Erbrechen und Pneumonien führen. Auch hohes Fieber und Hämorrhagien sind möglich (Lutz 2006).

Der wirksamste Schutz ist die Impfung, die am besten bereits im Welpenalter durchgeführt werden sollte. Dies ist gerade im Hinblick auf die schlechte Therapierbarkeit von Viruserkrankungen von großer Bedeutung. Die Impfung gegen Katzenschnupfen gehört zusammen mit der Impfung gegen Katzenseuche zu den so genannten Kernschutz (Core)-Impfungen, die nach der Grundimmunisierung im Welpenalter alle drei Jahre aufgefrischt werden sollten. Da auch Bordetella bronchiseptica zu den primär pathogenen Erregern des Katzenschnupfens gehört, sollte auch eine Impfung erwogen werden. Diese erfolgt nicht wie üblicherweise als Injektion unter die Haut (subkutan), sondern wird direkt auf die Nasenschleimhaut, die Eintrittspforte für die Erreger, verabreicht (intranasal).

Der Katzenschnupfen-Komplex wird durch verschiedene virale (u. a. Felines Calicivirus und Feline Herpesvirus) und bakterielle Erreger (u. a. Bordetella bronchiseptica und Chlamydophila felis) verursacht. Betroffen sind in erster Linie ungeimpfte Jungkatzen, die viel Kontakt zu anderen Katzen haben (Tierheim, Züchter, Tierpension). Eine Infektion der oberen Atemwege mit den oben genannten Erregern kann eine bakterielle Sekundärinfektion nach sich ziehen, die zu einer Atemwegserkrankung mit milden bis schweren Krankheitssymptomen oder sogar Tod führt. Daher ist eine Impfung für Welpen im Alter von 8 und 12 Wochen sowie mit 16 Wochen und 15 Monaten angeraten. Der Impfschutz sollte jedes Jahr aufgefrischt werden.


Quelle: www.intervet.de
 


 

TOLLWUT

 

Tollwut ist keine spezielle Katzenkrankheit, sondern kann fast auf alle Tiere und Menschen übertragen werden. Dennoch sind Katzen für Tollwut empfänglich, daher darf diese gefährliche Erkrankung hier nicht fehlen.

Hauptträger der gefürchteten Tollwut ist der Fuchs. Die Ansteckung erfolgt meist durch den Biss eines tollwütigen Tieres, aber eine Ansteckung ist auch über offene Wunden bei Kontakt mit infiziertem Speichel möglich, allerdings auch nur dann, wenn es sich um tiefe Wunden handelt. Kleine Schrammen oder Kratzer bergen keine Gefahr. Tollwut ist schon sehr lange bekannt. Lt. schriftlicher Überlieferungen sogar schon seit dem Altertum (ca. 1700 v. Chr.). Gefährlich ist sie dennoch über all die Jahrhunderte geblieben.

Zu dem Virus:
Der Erreger der Tollwut ist ein Rhabdovirus, der vorzugsweise das Zentralnervensystem angreift. Über die Nervenbahnen wandert der Erreger in das Gehirn des betroffenen Tieres und vermehrt sich dort. Über den Speichel wird der Virus übertragen.

Inkubationszeit:
Sehr genau kann die Inkubationszeit nicht genannt werden, obwohl sie sich in einem mehr oder minder überschaubarem Rahmen hält. Anders als bei z.B. FIP (wo die Erkrankung auch nie ausbrechen kann), kann hier ein Rahmen von ca. 4 Wochen bis mehrere Monate begrenzt werden. Während dieser Zeit ist die Krankheit nicht zu erkennen.

Symptome:
Die Tollwut lässt sich nicht, wie andere Viruserkrankungen, in einem einzigen durchgehendem Krankheitsstadium unterteilen, sondern wird von Veterinären meist in drei verschiedene Stadien unterteilt:

  • Das Stadium der Frühsymptome:

Dieses erste Stadium beginnt sehr langsam und auch meist unauffällig. Hier treten Wesensveränderungen der Katze meist zum ersten Mal auf. Wer seine Katzen kennt, wird die Wesensveränderungen leicht und schnell erkennen, da die Katzen sich meist genau gegenteilig verhalten, als sie es sonst tun. Scheue Katzen werden oft anhänglich; anhängliche Katzen scheu.

  • Das Erregungsstadium:

Ca. 1-2 Tage nach den anfänglichen Symptome kommt es zur plötzlich auftretenden Aggression und Raserei ohne Grund.

  • Das Lähmungsstadium:

Wie es der Name sagt, ist dies das Stadium der Lähmungen. Sie beginnen langsam (meist an den hinteren Gliedmaßen) und breiten sich dann rasch über den gesamten Katzenkörper aus.

Das erkrankte Tier stirbt etwa eine Woche nach den ersten Symptomen. Zu den verschiedenen Stadien sei zu sagen, dass nicht alle tollwuterkrankten Tiere Aggressionen zeigten. Oftmals gehen die Lähmungen direkt mit den anfänglichen Wesensveränderungen ineinander über ("Stille Wut"). Allerdings tritt der "normale Verlauf" der Tollwut bei Katzen am häufigsten auf.

Folgen:
Die Folge dieser Erkrankung liegt klar auf der Hand: Da Tollwut nicht heilbar ist, muss das betroffene Tier eingeschläfert werden. Diese Maßnahme ist in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben; eine Behandlung ist verboten (Seuchengesetz) und zudem auch unmöglich (nicht heilbar!).

Behandlung:
Keine Behandlung möglich!

Vorbeugung / Impfung:
Der berühmte Louis Pasteur war es der im 19. Jhd. den ersten Impfstoff gegen Tollwut entwickelte. Mittlerweile hingegen wurde dieser Impfstoff verbessert und auch verträglicher für den Organismus gemacht. Freigänger sollten generell und regelmäßig gegen Tollwut geimpft werden, zudem ermöglich nur eine gültige Tollwutimpfung (die mind. 30 Tage alt sein muss und 12 Monate nicht überschreiten darf! Außer die Katze ist "scheckheftgepflegt", sprich: Die Tollwutimpfung wurde die letzten Male regelmäßig alljährlich aufgefrischt.) die Ausreise mit dem Tier (allerdings hat jedes Land andere Seuchenbestimmungen; die beim Tierarzt erfragt werden können).

Die erste Impfung gegen Tollwut erfolgt in der 12. Lebenswoche. Eine Wiederholungsimpfung ist nicht nötig, da der Impfstoff sofort anschlägt. Von nun an sollte die Impfung jedes Jahr wiederholt werden. Für Tiere gibt es keine Notimpfung, wie es bei Menschen der Fall ist.

Info:
Tollwut ist eine anzeigepflichtige Seuche ist, was bedeutet, dass auch beim leisesten Verdacht, dass sich die Katze durch einen Biss eines tollwütigen Tieres mit dem Rhabdovirus angesteckt hat, die Meldung beim Amtstierarzt erforderlich ist. An Tollwut erkrankte Tiere müssen getötet werden. Sollte sich also der Verdacht äußern, dass die eigene Katze mit dem Rhabdovirus infiziert wurde, so entscheidet der Tierarzt, ob das Tier getötet werden muss oder 3 Monate in Quarantäne kommt (meist jedoch wird das betroffene Tier umgehend eingeschläfert).

Tollwutgefährdet ist jede Katze, die von einem Fuchs gebissen wurde oder Bissverletzungen anderer Tiere hat, sofern sie in einem tollwutgefährdeten Bezirk lebt und nicht geimpft ist!

Tollwut ist auf den Menschen übertragbar und endet, wenn sie einmal ausgebrochen ist, immer tödlich! Wird man selbst von einem tollwütigen Tier gebissen, sollte umgehend (!!!) ein Arzt aufgesucht werden. Er kann durch eine Notimpfung dem betroffenem Menschen noch helfen.

Quelle: www.katzen-lexikon.de
 


 

FIV (KATZEN-AIDS)


Der Feline Immunodeficiency Virus (FIV) gehört zur Klasse Retroviren wie der Feline Leukämie Virus (FeLV), aber mit einem wesentlichen Unterschied: FeLV gehört zur Unterfamilie der Oncornaviren, FIV zu den Lentiviren, zusammen mit den Erregern der progressiven Pneumonie der Schafe, der ansteckenden Pneumonie der Pferde, der Gelenk- und Gehirnentzündung der Ziegen und des AIDS beim Menschen.

FIV und FeLV können ähnliche Krankheitsbilder hervorrufen, sind aber sonst sehr verschieden, schon im Aussehen. FIV ist länglich, FeLV fast rund. Auch genetisch sind sie recht unterschiedlich, und ihr Struktureiweiss unterscheidet sich in Grösse und Zusammensetzung. Das erklärt das Fehlen von Kreuz-Immunität. FeLV-Antikörper können nicht an FIV andocken, FIV-Antikörper nicht an FeLV.

Vorkommen:
FIV kommt international, aber mit unterschiedlicher Häufigkeit vor. In den USA zeigen 1,5-3 % der gesunden aber bis 15 % der kranken Katzen positive FIV-Titer. Wildlebende Kampfkater sind am häufigsten positiv, reine Hauskatzen am seltensten.

Ansteckung:
Im Vordergrund steht die Übertragung durch Bissverletzungen. Aber auch andere, friedliche, Sozialkontakte unter Katzen können in Ausnahmefällen zur Infektion führen. Die Ansteckung der Welpen durch die Mutter kann schon intrauterin, während der Geburt oder durch die Muttermilch erfolgen. Die Ansteckung beim friedlichen Zusammenleben mehrerer Katzen scheint eher selten zu sein. Ideal ist sicher eine Abgabe oder Isolation der Virusträger. Findest das nicht statt, ist das Risiko der Ansteckung trotzdem gering, immer vorausgesetzt, es finden keinerlei Beißereien statt. Außrhalb der Katze ist der Virus recht instabil und kann unter normalen Bedingungen nur wenige Stunden überleben. Eine Wartezeit nach dem Ableben einer FIV-Katze bis zur Neubesetzung ist deshalb eigentlich unnötig. Andererseits haben FIV-Katzen in der Regel noch weitere Infektionen. Näpfe, WCs, Spielzeug und Käfige sind deshalb zu entsorgen oder mit HIV-wirksamem Desinfektionsmittel zu behandeln. Mittel aus der Fernsehwerbung oder das Antikmittel "Sagrotan" sind hier nicht ausreichend.  Bringen Sie nur wirksam geimpfte Neukatzen in das Haus. Gehen Sie hier kein Risiko ein.

Verlauf:
Mit dem Blut gelangt der Virus zum nächsten Regional-Lymphknoten, wo er sich in den T-Lymphozyten vermehrt. Dann breitet er sich über das gesamte Lymphsystem aus, d. h. alle Lymphknoten vergrößern sich. Dieses Stadium wird vom Besitzer meist nicht bemerkt. Tage bis Wochen später kann die Katze Fieber und einen Abfall der weißen Blutzellen (Leukopenie) entwickeln. Diese Leukopenie wird vor allem durch einen Abfall der Neutrophilen, der Abwehrzellen gegen Bakterien, und der T-Helferzellen, die eine Schlüsselposition im gesamten Abwehrsystem einnehmen, bewirkt. Später kann auch Anämie, ein Abfall der Roten Blutzellen entstehen.

Infizierte Katzen können jahrelang unauffällig bleiben. Schließlich beginnt eine Immuninsuffizienz und die Abwehrkräfte nehmen ab. Bakterien, Viren und Protozoen, die in der Umwelt jeder Katze vorkommen und gesunde Tiere nicht befallen, führen beim FIV-Patienten zu schwersten Erkrankungen. Diese Sekundärinfektionen sind verantwortlich für die meisten Symptome, die wir mit einer FIV-Infektion verbinden und sie sind die häufigste Todesursache FIV-positiver Katzen.

Symptome:
Klinische Zeichen des Immuninsuffizienz-Syndroms  können sich an jedem Organ zeigen. Oft sehen wir schlechtes Fell, Dauerfieber und Appetitverlust. Bei der Hälfte der Patienten findet man Zahnfleischentzündung (Gingivitis) und Maulhöhlenentzündung (Stomatitis). Häufig sind auch chronische oder wiederkehrende Entzündungen von Haut, Blase und oberen Atmungsorganen. Seltener sind Dauerdurchfall und Entzündungen des Auges. Ständige Gewichtsabnahme ist häufig. FIV-Katzen neigen zu bestimmten Tumorarten wie Lymphomen. Aborte und andere Fortpflanzungsstörungen wurden berichtet. Einige Katzen entwickeln Krämpfe, Geistesschwäche oder andere Neuropathien. Manche Patienten zeigen periodisch wiederkehrende Phasen relativen Wohlbefindens. In diesen Fällen folgt das Blutbild dem klinischen Auf und Ab, mit deutlicher Tendenz zur Verschlechterung.

Diagnose:
Die Diagnose wird nach Vorbericht, Symptomatik und vor allem FIV-Antikörpertest gestellt. Ein positives Testergebnis besagt, dass die Katze infiziert ist, vermutlich lebenslang bleiben wird, und damit eine Gefahr für andere Katzen darstellt. Da auch falschpositive Testergegnisse vorkommen, kann man zur Sicherheit eine Kontrolluntersuchung nach einer anderen Methode vornehmen. Bei unklarem Laborergebnis bringt eine Kontrolle nach 8-12 Wochen meist Aufschluss.

Welpen FIV-kranker Mütter können in den ersten 12-16 Wochen testpositiv sein ohne den Virus selbst zu tragen. In diesem Fall spricht der Test nur auf maternale Antikörper an. Deshalb sind positive Welpen unbedingt mit 6-8 Monaten nachzutesten, um eine eindeutige Aussage zu erhalten. Negatives Testergebnis bedeutet, es wurden keine Antikörper nachgewiesen. In den meisten Fällen heisst das FIV-frei. Da zwischen Ansteckung und Bildung von Antikörpern aber 8-12 Wochen liegen, kann eine Blutentnahme theorethisch in diese Phase fallen und eine gesunde Katze vorspiegeln. Bei begründetem Verdacht also Nachkontrolle 12 Wochen nach letztmöglichem Kontakt mit Virusträgern. Eine Katze im Endstadium ihrer FIV-Erkrankung kann wieder testnegativ werden, wenn das Abwehrsystem erschöpft ist.

Prognose:
Die individuelle Lebenserwartung einer FIV-Katze lässt sich natürlich nicht konkret vorauszusagen. Unter Idealbedingungen können die Patienten noch Jahre bei guter Lebensqualität vor sich haben. Hatte der Patient hingegen schon mehrere schwere Sekundärinfektionen oder besteht Dauerfieber und Gewichtsverlust, muss man mit schnellerem Verlauf rechnen.

In den USA wird analog zur HIV-Diagnostik das Verhältnis der CD4- zu CD8-Lymphozyten zur Einschätzung der Schwere der Erkrankung herangezogen. Je niedriger dieser Wert, je schlechter die Prognose. In Deutschland hält man diesen Test für nicht aussagefähig.

Therapie:
Leider gibt es kein Medikament, das den Virus direkt angreift.  Die wichtigste Maßnahme ist deshalb der Schutz vor möglichen Sekundärinfektionen. Einzelhaltung ohne Auslauf ist zwingend nötig, schon um die Ansteckung gesunder Katzen zu verhindern. Sekundärinfektionen können bis zu einem gewissen Punkt mit Antibiotika und Antimykotika unterdrückt werden. Ist durch Entzündung der Maulhöhle die Nahrungsaufnahme gefährdet, können Kortisone indiziert sein. Anabolika und energiereiche Nährpasten können dem Abmagern gegensteuern. Medikamentöse Anregung des Immunsystems ist oft nicht erfolgreich. Ein Versuch sollte jedoch unternommen werden.

Prophylaxe:
Es gibt, wie beim verwandten HIV, keine Impfmöglichkeit. Der einzige Schutz wäre die absolute Isolation. Nur im Haus gehaltene Tiere sind kaum gefährdet. Mehrkatzenhaushalte, Heime etc sollten alle Insassen testen. Positive abgeben oder isolieren. Nachkontrolle der negativen nach 12 Wochen. Danach Testen aller Neuzugänge, 12 Wochen Quarantäne und nachtesten. Positive Tiere sind in Einzel-/Haushaltung abgeben oder in konsequenter Quarantäne halten. Jede Schlamperei kann hier tödliche Konsequenzen haben. Da kaum ein Tierheim Zeit und Geld für die erforderlichen Maßnahmen aufwendet und durch Feriengäste und Findlinge eine ständige Fluktuation herrscht, sind diese Institutionen wesentlich an der Verbreitung der Erkrankung beteiligt. Wenn Sie eine Heimkatze möchten, schriftlichen Vertrag mit ausdrücklichem Rückgaberecht machen und gleich am ersten Tag zur Blutprobe, wobei auch auf FIP und Leukose getestet werden sollte.

Gefahr für den Menschen?
Obwohl der Virus mit dem menschlichen HIV verwandt ist, gibt es keinerlei Hinweise auf eine Ansteckungsgefahr für andere Tierarten. Nach heutigem Wissensstand ist der Virus streng wirtsspezifisch, d. h. kommt nur bei Katzen vor.

Quelle: www.dr-von-rhein.de

US-Forscher entwickeln Impfstoff gegen "Katzen-Aids":
Würselen/Overland Park 4.4.2002 (dpa) - US-Forscher haben in einem mehrjährigen Projekt einen Impfstoff gegen das so genannte Katzen-Aids entwickelt. Das Präparat sei kürzlich in den USA zugelassen worden und werde dort vom kommenden Sommer an für Tierärzte erhältlich sein, teilte das Pharma-Unternehmen Fort Dodge Animal Health am Mittwoch im nordrhein-westfälischen Würselen mit. Ein Zulassungsantrag für Europa werde derzeit vorbereitet. Nach den Worten von Prof. Andrea Tipold von der Tierärztlichen Hochschule Hannover gibt es bislang keinen Impfstoff gegen die Krankheit.

Mit dem neuen Mittel können die Tiere nach Angaben der Firma erstmals gegen das lebensbedrohliche "feline Immundefizienzvirus" (FIV) geimpft werden, das mit dem menschlichen Aidsvirus (HIV) verwandt ist. Wie eine Studie gezeigt habe, halte der Impfschutz mindestens zwölf Monate an. Für die Behandlung von Menschen hat der Impfstoff keine Bedeutung. Eine Infektion eines Menschen mit dem Katzenvirus ist nach Einschätzung von Experten nicht möglich. Nach Angaben der Leitenden Forscherin Janet Yamamoto wurde der neue Stoff aus Virusstämmen zweier Subtypen aus Nordamerika und Asien gewonnen. Die an der Studie beteiligten Tiere wurden insgesamt drei Mal geimpft, 67 % von ihnen waren anschließend immun gegen eine Infektion. Der Impfstoff müsse insgesamt drei Mal und als Präventionsmaßnahme vor einer FIV-Infektion verabreicht werden, teilte das Unternehmen mit Hauptsitz in Overland Park (US-Staat Kansas) weiter mit. ©dpa
 


 

AUJESZKYSCHE KRANKHEIT


Diese Erkrankung gehört zu den Infektionskrankheiten und wird durch einen Herpesvirus verursacht. Diese Krankheit ist weltweit verbreitet und mittlerweile seit fast mehr als 150 Jahren in Eurpa bekannt. Die Bezeichnnung der Aujeszkyschen Krankheit kommt von ihrem ungarischem Entdecker Aujeszky.


Zu dem Virus:
Es handelt sich hierbei um einen Herpesvirus, der für die Katze nur durch den Genuss rohen Schweinefleisches höchtsgefährlich werden kann. Meist beherbergen adulte Schweine diesen Virus in sich ohne jedwede Anzeichen einer Erkrankung. Daher sind auch viele Schweinebestände mit diesem Virus befallen und in roher Form eine potentielle Gefahrenquelle für unsere Stubentiger. Allerdings hat man mehrere Möglichkeiten diesen Virus unschädlich zu machen, nämlich durch gutes Durchkochen oder -braten des Schweinefleisches. Das Virus wird bei Temperaturen ab etwa. 60°C inaktiviert. Falls Sie einen Fleischwolf zu Hause haben, achten Sie stets darauf, wenn sie Ihrer Katze damit z.B. Rindfleisch wolfen, dass keine Reste mehr von eventuell vorher gewolftem rohen Schweinefleisch daran ist, denn schon die kleinsten Spuren rohen Schweinefleisches können diesen gefährlichen Virus in sich tragen.

Inkubationszeit:
Die ersten Anzeichen einer Aujeszky-Erkrankung zeigen sich nach ca. 2-14 Tagen.

Symptome:
Die ersten Anzeichen sind noch sehr harmlos im Gegensatz zu dem, was in den nächsten Stunden passiert. Zuerst zeigt sich die Erkrankung durch Schluckbeschwerden, leichten Wesensveränderungen und anfänglichen Lähmungen der Kopfmuskulatur. Kurz darauf verdramatisieren sich die vorherigen Beschwerden und es tritt plötzlich extremer Juckreiz auf, der die betroffenen Tiere fast schon wahnsinnig werden lässt (dadurch bekam die Krankheit auch den Beinamen Juckseuche). Er bringt die Tiere dazu sich ununterbrochen zu kratzen, insbesondere an den Pfoten und dem Schwanz. Der Juckreiz scheint so schlimm, dass sich die Tiere vor Wahnsinn auch Körperteile abnagen (Automutilation). Zudem treten Tobsuchtsanfälle auf (Raserei), weshalb die Krankheit, da sie in dieser Form der Tollwut ähnlich ist, auch Pseudwout genannt wird.

Folgen:
Die Ausjeszkysche Krankheit verläuft höchst dramatisch und die Folge dieser Krankheit ist (wie bei der Tollwut) leider immer der Tod. Ca. 1-2 Tage nach Auftreten der Symptome stirbt die betroffene Katze.

Diagnose:
Die Diagnose ist hier meist eindeutig und der behandelnde Tierarzt hat nur noch die Möglichkeit des Einschläferns, wenn er der Katze einen qualvollen Tod ersparen will.

Behandlung:
Keine Behandlung möglich.

Vorbeugung:
Auch hier gibt es nur eine einzige Möglichkeit um die Erkrankung vorzubeugen: Füttern Sie kein rohes Schweinefleisch! Zwar heißt es von offizieller Seite, dass Deutschland mittlerweile Aujeszky-frei sei, allerdings ist hier Vorsicht besser als Nachsicht! Schweinefleisch sollte immer richtig gut durchgekocht oder durchgebraten sein, auch nicht rosa in der Mitte sein, sondern wirklich von unten bis oben komplett durchgegart.

Einen Impfstoff gibt es leider (noch) nicht.

Die Aujeszkysche Krankheit stellt keine Bedrohung für den Menschen dar!

Quelle: www.katzen-lexikon.de