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Handaufzucht von Kitten
Manchmal kommt es vor, dass die Katzenmutter zu unerfahren ist und die Babies
verstößt oder durch Krankheit ihren Mutterpflichten nicht nachkommen kann. Dann
muss man die Babies von Hand mit der Flasche aufziehen.
Die
Handaufzucht
ist ein sehr diffiziles Thema, zu welchem ein
erstaunlich hoher Aufklärungsbedarf besteht. Selbst langjährige Züchter stehen
oft recht hilflos da, wenn die Milch versiegt oder gar nicht erst fließt, und
wissen nicht genau, welche Maßnahmen sie nun ergreifen müssen. Ohnmacht und
Verzweiflung machen sich breit. Ratlosigkeit und darauf folgende Panikreaktionen
sind nicht selten.
Gründe für die
Handaufzucht:
Es gibt viele Ursachen, die dazu führen können, dass eine Katzenmutter nicht
dazu in der Lage ist, ihre Kitten selbst groß zu ziehen. Manche Katzen haben
aus irgendwelchen Gründen keine oder nur zu wenig Milch. Häufig ist eine
Infektion der Mutterkatze der Grund. Ist dies der Fall, muss unter allen
Umständen sofort ein Tierarzt konsultiert werden, Vielleicht erfolgte die Geburt
per Kaiserschnitt und die Katze steht unter einem Operationsschock. Katzen
reagieren ganz unterschiedlich auf den medizinischen Eingriff: Einige beginnen
bereits in halb narkotisiertem Zustand, den Nachwuchs zu belecken, andere lehnen
die Kitten rigoros ab. Manchmal verstirbt eine Katzenmutter während oder kurz
nach der Geburt und der Besitzer steht ganz allein da. Ist dies der Fall, sollte
man während der ersten Stunden ein Heizkissen oder ein Kirschkernkissen
beziehungsweise ein Leinsamenkissen - beide lassen sich bequem in der Mikrowelle
erhitzen (Achtung: Überprüfen Sie die Temperatur des Kissens mit der Hand,
bevor Sie es verwenden!) und haben den Vorteil "kabellos" zu sein - unter
die Liegefläche der Kätzchen schieben, damit es die Kleinen schön warm haben.
Später reicht eine angenehme Zimmertemperatur aus, um das Wohlbefinden der
Kitten sicherzustellen. Allerdings sollte man nicht vergessen, den Raum
regelmäßig zu lüften, da kleine Kätzchen viel frischen Sauerstoff benötigen.
Unruhe und Stress, beispielsweise durch einen Umzug bedingt, können ebenfalls
dazu beitragen, dass die Milch versiegt.

Die ersten Schritte:
Im ersten Moment denkt man an unendlich viele Dinge gleichzeitig: Was soll ich
nun tun? Muss ich den Tierarzt anrufen? Wie lange kommen die Kitten ohne Milch
aus? Was ist mit der Mutterkatze los? Man ist einfach völlig verwirrt. Dabei ist
es in einer solchen Situation überaus wichtig, die Nerven zu behalten. Sobald
man feststellt, dass die Milchversorgung der Kitten nicht gewährleistet ist,
sollte man sich dazu zwingen, Ruhe zu bewahren und einen Notfallplan erstellen,
den man anschließend Schritt für Schritt befolgt. Es hat keinen Sinn,
willkürlich irgendwelche Maßnahmen zu ergreifen, die den Kitten sogar noch
schaden könnten.
Der Natur eine Chance geben:
Bevor die ersten Hilfsmaßnahmen eingeleitet werden, sollte man darüber
nachdenken, ob es offensichtliche Gründe für die mangelnde Milchversorgung gibt.
Katzen, die einen Kaiserschnitt hinter sich haben, sind nach der Narkose
manchmal noch stark benommen und realisieren im ersten Moment überhaupt nicht,
dass sie sich um hungrige Kitten kümmern müssen. Besteht der Verdacht, dass die
Katze einen Narkose- oder Operationsschock hat, sollte man erst einmal abwarten.
Die ersten Stunden überleben Kitten normalerweise auch ohne menschliche Hilfe
und es lohnt sich, etwas Geduld zu haben. Häufig kommt die Kätzin innerhalb
weniger Stunden wieder richtig zu sich und übernimmt die Pflege des Nachwuchses.
Würde man die Kätzchen direkt füttern, wären sie bereits satt, wenn die
Mutterkatze wieder oben auf ist und würden sich nicht für die Zitzen
interessieren. Der Drang zur "natürlichen Milchbar" sollte aber auf jeden Fall
erhalten bleiben.
Leider ist diese Situation eine Gratwanderung: Man darf nicht zu früh
einschreiten, aber auch nicht zu lange warten, um eine Schwächung der Kätzchen
zu verhindern. Die Kitten sollten auf jeden Fall regelmäßig gewogen werden.
Falls keine Gewichtszunahme zu verzeichnen ist, muss man die Fütterung für ein
bis zwei Tage übernehmen. Sobald die Mutterkatze wieder fit ist, kann sie sich
um die Versorgung des Nachwuchses kümmern. Man kann das Interesse der
Mutterkatze auch wecken, indem man die Kitten mit weicher Butter einreibt. Viele
Katzenmütter lassen sich von dem Duft verführen und beginnen, die Kitten
abzuschlecken. Ist dies der Fall, hat man schon gewonnen. Sobald die Mutter die
Kleinen beleckt, kann man davon ausgehen, dass sie ihren Nachwuchs auch annimmt.
Das richtige Equipment:
Für eine sichere Handaufzucht benötigt man das richtige Equipment: Flaschen (es
gibt gerade und gekrümmte Varianten, die man auch bequem abstellen kann),
Sauger, ein nicht klumpendes Milchaustauschfutter, einen kleinen Schneebesen,
Desinfektionsspray, Handtücher, kleine Tücher, um das Mäulchen zu reinigen und
Stahltöpfchen. Es gibt verschiedene Ausführungen von Saugern, die nicht alle
gleichermaßen gut geeignet sind. Lange Sauger knicken leicht ab, wenn man sie
ins Mäulchen schiebt. Kleine kurze Sauger erweisen sich allgemein als
praktischer und lassen sich leicht handhaben.
Vorbereitungen:
Wer einen Wurf erwartet, sollte unter allen Umständen vorsichtshalber ein
Milchaustauschfutter im Haus haben. Bei der Auswahl der Milch sollte auf
Klumpenfreiheit geachtet werden. Nicht klumpende Milch ist beim Tierarzt
erhältlich und bedeutet eine ungemeine Arbeitserleichterung. Bilden sich beim
Anrühren dennoch Klümpchen, muss die Milch vor jeder Fütterung sorgfältig
gesiebt werden. Die Milch wird mit handwarm temperiertem Wasser (entweder
kohlensäurefreies Mineralwasser aus der Flasche oder abgekochtes Leitungswasser
verwenden!) angerührt und in das Fläschchen gefüllt. Neugeborene Kitten
benötigen durchschnittlich die Menge an Milch, die einem Teilstrich des
Fläschchens (ungefähr ein Millimeter) entspricht. Die genaue Menge hängt
natürlich vom individuellen Bedürfnis des Kittens ab. Gibt sich das Kätzchen mit
einer kleineren Menge zufrieden, sollte man es keinesfalls zwingen, mehr zu
trinken. Es könnte sich verschlucken. Verlangt es nach mehr Milch, ist diesem
Bedürfnis nachzukommen.

Thema Aufzuchtsmilch:
Wenn Sie Aufzuchtsmilch mit Leitungswasser anrühren, fragen Sie in der
Gemeindeverwaltung nach, ob das Wasser zur Zubereitung von Säuglingsnahrung
verwendet werden kann. Verschmutzungen durch Nitrate/Nitrite sind insbesondere
in intensiv landwirtschaftlich genutzten Gebieten oder Weinbauregionen
anzutreffen. Hier kann für die Kätzchen Todesgefahr bestehen. Ebenso ist der
Verwendung von chloriertem Leitungswasser dringend abzuraten.
Wie locht man den Sauger:
Am besten drückt man den Sauger mit den Fingern zusammen, so dass er schön flach
ist. Anschließend schneidet man mit der Nagelschere eine sehr kleine Öffnung
hinein und dreht die Schere einmal herum. Heiße Nadeln eignen sich nicht für
diese Prozedur. Die hohe Temperatur verschließt das Gummi wieder, nachdem man
die Nadel hinein gestochen hat. Durch Nadeln entstandene Löcher sind außerdem
meistens zu klein und lassen keinen gleichmäßigen Milchfluss zu.
Die Fütterung:
Nun zur Fütterung: Man legt sich ein Velours-Handtuch auf die Knie (kein
Frottee, weil die Kitten mit ihren Krallen daran hängen bleiben könnten),
desinfiziert sich gründlich die Hände und nimmt ein Kitten auf den Schoß.
(Vorsicht: Das Kitten darf keinesfalls auf den Rücken gelegt werden, weil es
sich in dieser Position leicht verschlucken kann. Das Kätzchen sollte sitzen
oder stehen, wobei sein Rücken dem Menschen zugewandt ist. Dann führt man den
Sauger vorsichtig seitlich in das Mäulchen ein und schiebt ihn behutsam in eine
frontale Position. Das heißt, dass der Sauger nun genau mittig im Mäulchen des
Kittens sitzt. Nachdem die Fütterung beendet ist, müssen alle Utensilien
gründlich sterilisiert werden. Man kann sie abkochen oder mit einem
hautverträglichen Desinfektionsmittel behandeln.
Massage:
Nach der Fütterung wird das Kitten sanft auf den Rücken gelegt. Nun gilt es, das
volle Bäuchlein zu massieren, damit die Verdauung in Schwung kommt. Die Massage
kann sowohl mit den Händen als auch mit einem weichen Tuch (Tempo/Kleenex)
erfolgen.
Ziel der Behandlung: Ein junges Kätzchen sollte nach jeder Fütterung Urin
lassen. Das Absetzen des Kotes sollte ebenfalls regelmäßig, aber nicht
unbedingt nach jeder Mahlzeit erfolgen. Man darf nicht erschrecken, wenn die
Form der kleinen Bäuche vom normalen Schema abweicht. Mit dem Fläschchen
aufgezogene Kitten sehen oft aus wie kleine Schildkröten. Ihre Bäuche wirken ein
wenig ausgebeult. Das ist im Rahmen einer Handaufzucht völlig normal. Die
künstliche Fütterung ist einfach nicht mit einer natürlichen Aufzucht zu
vergleichen: Kätzchen, die auf natürliche Weise (direkt vom Muttertier) ernährt
werden, haben einen ganz individuellen Rhythmus. Sie trinken ein wenig, schlafen
ein bisschen und trinken wieder. Es ist schwer, die genauen Mengen der Milch und
die Abstände zwischen den einzelnen Fütterungen nachzuvollziehen. Bei der
Handaufzucht unterliegen die Kitten einem künstlichen Rhythmus, der nicht voll
und ganz dem natürlichen Fütterungsrhythmus entsprechen kann.
Komplikationen:
Verdauungsbeschwerden sind bei einer Handaufzucht leider nicht selten.
Verstopfungen, Verschlucken und Durchfälle gehören zu den häufigsten
Komplikationen. Verstopfungen in Verbindung mit Blähungen können dem Kitten sehr
unangenehm werden und sind weitaus kritischer einzustufen als Durchfälle, da sie
infolge eines Darmverschlusses nicht selten zum Tode führen. Wer derartigen
Schwierigkeiten vorbeugen möchte, sollte vorsorglich einen Vorrat an Fencheltee
zu Hause haben. Mit mildem Fencheltee angemachte Milch verhindert Verstopfungen.
Weitere Maßnahmen sind:
Man verabreicht den Kitten zwischen den Mahlzeiten eine reine
Fencheltee-Mahlzeit, die mit einer Messerspitze Traubenzucker pro Kitten
versetzt wird.
Setzt keine Besserung ein, muss man die Kitten zum Tierarzt bringen. Er wird
eine Sonde einführen und die Kleinen einem Einlauf unterziehen.
Verschlucken ist die gefährlichste Variante der Komplikationen. Der Tierarzt
zeigt wie man ein Kitten richtig "ausschüttelt".
Durchfälle gehen in der Regel innerhalb eines Tages von selbst zurück und können
außerdem positiv beeinflusst werden, wenn man bei der Fütterung auf Fencheltee
verzichtet. Sobald der Kot wieder eine normale Konsistenz hat, kann das
Milchaustauschfutter wieder mit Fencheltee angerührt werden. Hält der Durchfall
über 20 Stunden an, ist unverzüglich ein Tierarzt zu Rate zu ziehen!
Ammen:
Es besteht natürlich auch die Möglichkeit, einen kompletten Wurf von einer
Ammenkatze aufziehen zu lassen. Allerdings ist ein solches Unterfangen nur dann
von Erfolg gekrönt, wenn die Ersatzmutter auch wirklich kerngesund ist und die
Kitten nicht mit lebensgefährlichen Erregern infiziert. Es ist immer ein hohes
Risiko, einen Wurf neugeborener Katzen in einen fremden Haushalt zu geben. Man
sollte nur auf diese Alternative zurückgreifen, wenn man den Besitzer der
Ersatzmutter ganz genau kennt und weiß, dass sein Katzenbestand frei von
ansteckenden Krankheiten ist. Übrigens bedeutet es auch viel Vertrauen
seitens des Ammenbesitzers die Kitten anzunehmen, denn auch die Kätzchen
können Viren oder Parasiten in den Ammenhaushalt einschleppen.

Nun ist es geschafft!
Normalerweise beginnen Kätzchen im Alter von ca. fünf Wochen selbständig zu
fressen. Kitten, die mit der Hand aufgezogen wurden, müssen durchschnittlich
eine Woche länger, also bis zur vollendeten sechsten Lebenswoche, gefüttert
werden. Vielleicht liegt das auch daran, dass sie es einfach herrlich bequem
finden, sich von ihrem Menschen verwöhnen zu lassen!
Ist die Handaufzucht erst abgeschlossen, gilt es, die Kätzchen anzufüttern. Es
empfiehlt sich, für die Anfütterung ein stark riechendes Futter zu verwenden.
Damit die Kleinen auf den Geschmack kommen, drückt man sie ca. alle zwei Stunden
einmal vorsichtig mit dem Näschen in das Futter, i.d.R. akzeptieren sie das
ungewohnte Futter bereits nach ein bis zwei Tagen.

Unser Kittenlaufstall:
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